Von der Kopie zum Original und zum Weltrekord. Der MX-5 ist der meistverkaufte
Roadster der Welt. Jetzt ist die
dritte Generation im Anrollen.
Vor 16 Jahren als Miata gestartet, ist der MX-5 eine einzige Erfolgsgeschichte.
Damals kam der offene Japaner als eine Art Remake des legendären Lotus Elan auf
den Markt. Inzwischen ist er selbst zur Legende geworden und mit über 700'000
verkauften Einheiten Weltrekordhalter bei den Roadstern.
Auch für die - wie der Erstling - auf Big Island in Hawaii vorgestellte
dritte Generation ist Mazda ihrer Philosophie und dem erfolgreichen Credo des legendären
Lotus Gründers Colin Chapman treu geblieben. Kompakte Abmessungen,
Hinterradantrieb und wenig Gewicht sollen maximalen Fahrspass garantieren.
Bingo! Die Vorgaben wurden in allen Punkten erreicht, das neue Modell hat sich
keinerlei Wohlstandsspeck zugelegt. Der ausser den Seitenblinkern in sämtlichen
Teilen neue MX-5 beweisst, dass man sich Fahrfreude nicht mit 6- oder 8-Zylinder
Motoren erkaufen muss, möglichst geringes Gewicht und eine gute
Gewichtsverteilung genügen. Die Basis des neuen MX-5 ist die Bodengruppe des
RX-8. Damit wuchs der Radstand um 6.5 Zentimeter auf 2,33 Meter, in der Länge
und Breite legte der Zweisitzer um je vier Zentimeter zu. In der
Verwindungssteifheit wurde das neue Chassis um 47 Prozent verbessert. Trotzdem
ist es leichter als bisher. Und mit zusätzlicher Komfort- und Sicherheitsausstattung wiegt das komplette
Fahrzeug nur zehn Kilo mehr als
bisher, das heisst je nach Ausführung ab 1122 Kilo. Gewichtsmässig fit
getrimmt wurde der Japaner mit einem gezielten Materialmix aus Stahlblechen und
Aluminium und einer Motorhaube aus Leichtmetall. Für eine bessere
Gewichtsverteilung rutschte die Antriebseinheit um 13.5 Zentimeter nach hinten
hinter die Vorderachse. Jetzt werden die beiden Achsen fast ideal 50:50
belastet. Auch beim Design bleibt man der legendären Linienführung der
Roadster-Ikone treu. Der Neue soll auf Anhieb als MX-5 identifiziert werden
können, von der Formensprache jedoch auf der Höhe der Zeit sein. Jetzt ist es
gelungen. Das Design wurde aus 320 Entwürfen aus de Studios Hiroschima,
Frankfurt und Kalifornien ausgewählt. Davon wurden sieben 25%-Modelle gebaut,
dann drei 1:1 Modelle. Schliesslich gab man einem Entwurf aus Japan den
Zuschlag. Der emotionale Prototyp 2003, der Ibuki, sollte nur die Neugier auf
Kommendes wecken.
Offen in fünf Sekunden
Erst bei genauem Hinsehen entdeckt man die Unterschiede zum Vorgänger.
Der Neues ist markant dynamischer, männlicher, Der charakterisch ovale
Kühlergrill reckt sich selbstbewusster nach vorne, ausgeprägtere
Kotflügelverbreiterungen signalisieren Agilität. Leicht schräg
gestellte Leuchteinheiten in modernem Techniklook lassen den Zweisitzer
vorne und hinten erwachsener, hochwertiger erscheinen. Einen Schuss
Dynamik verleihen ihm 17-Zoll-Sternfelgen, eine Zweirohr-Auspuffanlage und
zwei Überrollbügel, Clever ist die Dachmechanik. Auch hier ist man dem
simplen Rezept treu geblieben. Statt eines Stahlfaltdachs oder einer
elektrischen Betätigung gilt hier nach vie vor manuelle Arbeit. Das
Stoffdach lässt sich mit einer Hand zentral entriegeln und simpel nach
hinten schwenken. Das geht in fünf Sekunden wesentlich schneller als
jedes elektrisch betätigte Dach. Und aussteigen ist auch nicht mehr
nötig. Auf eine Persenning wurde verzichtet, das Dach versinkt bündig
mit dem Kofferraumdeckel. Auch beim Antrieb haben die Japaner tüchtig
gearbeitet, Ein neuer Vierzylinder mit variabler Einlassventilsteuerung
sorgt für noch sportlicheren Vortrieb. Die Basismotorisierung mit 1.8
Liter Hubraum leistet 126PS und ersetzt den bisherigen 1.6 Liter mit 110
PS. Das neue Toptriebwerk ist der Zweiliter mit 160 statt 148 PS (NB-FL
bzw. 140PS NB). Er wird wahlweise mit einem 5-Gang- oder einem sehr
knackigen 6-Gang Getriebe gekoppelt. Das maximale Drehmoment klingt mit
188Nm bei 5000 U/min nach der Papierform nicht sehr sexy. Die Praxis lehrt
uns das Gegenteil. Rund 90% stehen bereits bei 2500/min zur Verfügung.
Damit lässt sich schaltfaul Cruisen und ruckfrei zügig beschleunigen. Wenn es
darauf ankommt, spurtet der neue MX-5 in 7.9 Sekunden von 0 auf
Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit soll 210 km/h betragen, der
Norm-Mixverbrauch wird mit 8.2 Liter auf 100 Kilometern angegeben. Dabei
liebt der längs eingebaute Vierzylinder eindeutig hohe Drehzahlen,
entschädigt aber durch sorgfältig ausgetüfteltes Sound-Engineering. 59
Auspuffanlagen wurden getestet. Die ausgewählte intoniert kernig-bullig,
tönt stimmig.
Einheit von Ross und Reiter
Beim Fahrerlebnis und Handling wurde der japanische Schlachtruf
"Jinba-ittai" beherzigt. Er steht für die so wichtige Einheit
zwischen Ross und Reiter. Auch hier agierten die Ingenieure erfolgreich.
473 Fahrwerksabstimmungen wurden in exzessiven Testfahrten aussortiert.
Unzählige Testfahrer drehten auf diversen Parcours in Japan und auf dem
Nürburgring ihre Runden. In Summe kumuliert sich in Japan, Deutschland,
England und den USA eine Strecke von siebenmal um die Erde. Das Ergebnis
kann sich sehen lassen. Bei angenehmen Feder- und Abrollkomfort gefällt
der MX-5 mit seiner tendenziell straffen Abstimmung und geringer
Kurvenneigung. Die präzise Servolenkung fühlt sich ausgesprochen gut an.
Die verbesserte Gewichtsverteilung, die verbreiterte Spur und um ein Zoll
fettere Räder (17") zeigen Wirkung. Mit besserem Gripp profiliert
sich der Kult-Roadster noch ausgeprägter als Kurvenkünstler. Sein
Untersteuern wurde reduziert, im Grenzbereich gibt er sich angenehm
neutral, in engen Kurven erlebt man bei guter Traktion mit Heckschwüngen
viel Spass. Neu wacht jedoch ein in der Schweiz serienmässiges EPS vor
allzu viel Übermut. Zur Einheut zwischen Ross und Reiter tragen auch die
tiefere Sitzposition, die verbesserten Platzverhältnisse und die neu
wenigstens in der Höhe verstellbare Lenksäule bei. Ende 2005 kommen 60
Einheiten einer Spezialserie des MX-5 mit 160 PS in Rot in die Schweiz.
2006 sollen 500 MX-5 für 32'000 bis 42'000 Franken verkauft werden.
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